Diversitätsprojekt für den Belgischen Schäferhund

Breed a healthy race – das Diversitätsprojekt für den Belgischen Schäferhund

Wer sind wir und worum geht es bei unserem Projekt?

Wir sind eine noch kleine Gruppe Belgier-Liebhaber, die aus den verschiedensten Gründen begonnen haben, sich mit der Gesundheit unserer Rasse und der Forschung rund um diese zu beschäftigen. Dieses gemeinsame Interesse hat uns zusammengeführt und unsere Gruppe wachsen lassen.  Begonnen haben wir mit dem Fokus auf den Malinois, aber da wir auch vermehrt von Besitzern der anderen Varietäten angesprochen wurden, haben wir das Projekt inzwischen auf alle vier Varietäten erweitert.

Als unsere Mission sehen wir es das Auftreten von Erbkrankheiten beim Belgischen Schäferhund zu manifestieren und zu reduzieren. Ebenso wollen wir die genetische Vielfalt innerhalb der Rasse fördern, da diese die beste Aussicht darstellt die Widerstandsfähigkeit der Rasse zu erhöhen.

Hierfür versuchen wir Züchter und Halter mit aktuellen Informationen zu sensibilisieren und durch möglichst verständliche Beiträge auf unserer Webseite, in Vereinszeitungen der Verbände und in kostenlosen Webinaren eine Breite Masse an Besitzern des belgischen Schäferhunds über verschiedene Themen zu informieren.

Auch sammeln wir Gesundheitsdaten (einschließlich der Todesdaten und -ursachen), um die genetische Gesundheit und die Langlebigkeit von Hunden zu vergleichen, die mit unterschiedlichen Ansätzen (Inzucht/Auszucht) gezüchtet wurden. Uns beschäftigt die Frage, wie genetische Vielfalt einen positiven Einfluss auf die Zucht haben kann, ob hierbei unerwartete neue Probleme auftreten oder es letztlich keinen Unterschied in Gesundheit und Langlebigkeit gibt.

Warum halten wir genetische Vielfalt für wichtig?

Der Genpool des Belgischen Schäferhundes ist seit der Etablierung der Rasse massiv geschrumpft. Gleich ob dies nun auf den Einfluss des ersten Weltkrieges, auf die teils nur noch als unkontrolliert zu bezeichnende Inzucht, zu enge Linienzucht oder aber auf den auch heute noch oft zu starken Run auf die immer gleichen Top-Rüden (Popular Sire) zurückgeführt werden kann. Was auch in welchem Ausmaß dazu beigetragen hat, das Resultat ist, dass unsere Rasse mittlerweile eine außerordentlich hohe Prävalenz teils lebensbedrohlicher Krankheiten aufweist. Mittlerweile wurden vier Letalfaktoren gefunden – das heißt, betroffene Tiere sterben bereits vor der Geschlechtsreife, oft in der embryonalen Entwicklung oder in den ersten Lebenswochen. Dieser Umstand fällt nach deutschem Tierschutzgesetz unter Qualzucht (§11b Tierschutzgesetz)– und dies bei unserer eigentlich doch so gesunden Rasse.
Darüber hinaus führen Spondylose, Epilepsie, Augen- und Krebserkrankungen die Liste der „typischen“ Belgier-Krankheiten an und belasten betroffene Hunde und deren Familien. Selbst wenn die Erbgänge für die meisten dieser Krankheiten bisher nicht abschließend geklärt sind, sorgt der enge Genpool dafür, dass die (noch unidentifizierten) auslösenden Genstellen immer öfter aufeinandertreffen und so Krankheiten ausgelöst werden. Deshalb ist genetische Vielfalt so unglaublich wichtig.

Warum sammeln wir möglichst viele Gesundheitsdaten?

Nur über eine LANGFRISTIGE NACHVERFOLGUNG und ANALYSE lässt sich herausfinden, an welchen Krankheiten unsere Hunde erkranken können und welche Teile unserer Zuchtpopulation stärker oder weniger stark betroffen und genetisch vorbelastet sind. Dafür führen wir aktuell alle verfügbaren weltweiten Datenbanken zusammen, um zukünftig anonyme Statistiken über das Vorkommen verschiedener Erkrankungen veröffentlichen zu können. Dabei geht es uns nicht darum jemanden oder seine Zucht an den Pranger zu stellen oder mit den uns mitgeteilten Informationen hausieren zu gehen. Im Gegenteil – wir behandeln alle uns zugetragenen Informationen vertraulich und werten diese nur statistisch aus. Wir glauben, dass aus Sorge vor möglichen Konsequenzen für die eigene Zucht noch immer zu viel Wissen unerfasst oder verschwiegen verloren geht.

Was bietet Euch das Projekt?

Auf unserem Blog veröffentlichen wir Beiträge rund um das Thema Belgischer Schäferhund, die Statistiken aus unseren gesammelten Daten und Studien von Forschungseinrichtungen. In regelmäßigen Abständen bieten wir kostenfreie Webinare an. Vereine dürfen nach Rücksprache gerne unsere Artikel in ihren Clubzeitschriften veröffentlichen. Uns ist wichtig, dass die Informationen für jeden leicht und frei zugänglich sind. Mit unserem Wissen unterstützen wir auch die Forschung und teilen unsere Informationen mit Universitäten, um deren Arbeit zu erleichtern.

Wir können zudem für Euch einen Genetik Report für Euren Hund erstellen: Dafür benötigen wir die Diversitätsauswertung (Embark, Feragen, Laboklin, ISAG2020, mydogDNA) Eurer Hunde (Anleitung auf der Homepage). Wir sammeln alle diese Daten und veröffentlichen diese zudem nach Freigabe der Besitzer.

Wie könnt Ihr das Projekt unterstützen?

Informiert Euch, lest unsere Beiträge, beschäftigt Euch mit Forschungsergebnissen und erweitert Euer Wissen. Nur so kann jeder dazu beitragen, dass unsere Rasse gesünder wird. Wir wollen weder irgendjemanden einen Zuchtansatz nahelegen noch aufdrängen. Wir möchten auf auffallende Probleme und Problematiken in der Zucht hinweisen und Züchtern und Haltern ermöglichen mit dem nötigen Wissen über die Gesamtpopulation fundierte Entscheidungen zu treffen. Natürlich werben wir dafür, die genetische Vielfalt innerhalb unserer Rasse und in den Varietäten zu erhalten, doch die Entscheidung über den Zuchteinsatz liegt und bleibt bei jedem einzelnen Züchter!

Zukünftig werden wir auf unserer Homepage Umfragen erstellen. Hier könnt ihr das Projekt aktiv unterstützen, indem ihr uns Informationen über verschiedene Gesundheitsdaten Eurer Hunde mitteilt (z.B. Todesursache, erworbene Krankheiten, Probleme bei der Aufzucht, Wesen der Nachzucht, etc.). Dadurch können wir eine repräsentative Datenmenge zusammentragen und aussagekräftige Statistiken erstellen.

Wer selbst Interesse hat einen Artikel zu schreiben, interessante Themen im Webinar vorzustellen oder dazu beitragen möchte Daten zu sammeln, ist herzlich eingeladen mitzumachen. Insbesondere suchen wir im Moment Personen, die uns mit Erfahrung und Wissen zu Tervueren, Laekenois und/oder Groenendael unterstützen.

Bei Problemen könnt ihr uns jederzeit kontaktieren!

Zum Schluss noch eine kurze Vorstellung der Autoren und viel Spaß beim Lesen!

Alexandra Ritter

Diplom Pädagogin, Hundesportlerin und Hobbyzüchterin. Ein Samojede war mein erster eigener Hund, der mich bei meinem damaligen Hobby im Reitsport begleitete. 1996 bin ich zum Hundesport gekommen und führte zwei meiner Dobermänner auf Landesmeisterschaften im IPO (DV). 2004 kam mein Dobermannwurf „vom Kranichstein“ zur Welt. Heute habe ich noch eine Dobermann Hündin, eine Enkeltochter meines ersten Dobermanns, die fast 12 Jahre alt ist. Leider beim Dobermann keine Selbstverständlichkeit. Für mich war es damals ein Kampf gegen Windmühlen und unmöglich genügend andere Züchter, von der Notwendigkeit einer gesünderen Zuchtstrategie, zu überzeugen. Der Dobermann ist meiner Meinung nach genetisch verarmt und Gesundheit, wie Leistungsfähigkeit kaum mehr zu retten. Daher wechselte ich 2008 zum Malinois und bekam meine erste Malinois Hündin. Seit 2012 züchte ich mit meinem Mann zusammen, Malinois unter dem Zwingernamen, „vom Hause Ritter“.

Marie Balzer

Ich habe 1997 meinen Ersten, damals noch deutschen Schäferhund von meinem gesammelten Kommunionsgeld gekauft . Sowohl von der katholischen Kirche als auch dem deutschen Schäferhund habe ich allerdings Abstand genommen und mich schon in den Spätneunzigern dem Malinois zugewandt. Nach einem Herder zog mein erster FCI Malinois allerdings erst 2012 ein. Lehrjahre sind eben keine Herrenjahre. Ihn habe ich bis zur IPO 3 ausgebildet inkl. Kreismeisterschaft . Des weiteren schaue ich gerne über den deutschen Tellerrand und nehme an Prüfungen/Trainings im AVD eV. (in England und Belgien) teil und bin auch sonst gerne zu Gast bei unseren europäischen Nachbarn. Seit 2019 züchte ich Malinois unter dem Zwingernamen „Par Toutatis“, ach ja, ehe ich es vergesse, neben all dem „hundeln“ habe ich ein paar Semester Biologie (CAU Kiel) und schließlich erfolgreich Humanmedizin (Charité Berlin /Uni Duisburg Essen) studiert.

Astrid Hübner

Ich bin gelernte Fachangestellte für Medien und Infodienste. 1999 habe ich meinen ersten Malinois gekauft und bin seitdem malifiziert. Bis 2012 habe ich einige Erfahrungen im IPO und FH Bereich gesammelt und zwei Hunde bis zur Landesmeisterschaft IPO (swhv) geführt. Seit 2012 bin ich im Mondioring und franz.Ring unterwegs und dadurch 2014 in Frankreich gestrandet. Seitdem lebe ich hier mit Mann, Kindern und einem Rudel Malinois. Wir züchten unter dem Zwingernamen „Elevage des guerriers d´Hades“.

Dr. med. vet. Sue Chandraratne

Den ersten Hund (Rottweiler) aus der Nachbarschaft habe ich damals mit 14 Jahren ausgebildet und ihn wie meine ersten eigenen Hunde (verschiedene Rassen und Mischlinge) im Agility, Tunierhundesport und Obedience geführt. Schutzhundesport betreibe ich seit dem Jahr 2000. Nach meinem Tiermedizinstudium (LMU München) habe ich dann 2011 meine erste Malinois-Hündin mit FCI Papieren bekommen und national und international geführt. Seitdem bei ihr leider idiopathische Epilepsie diagnostiziert wurde, setze ich mich für die Aufklärung dieser Erkrankung ein und unterstütze betroffene Hundebesitzer und Züchter. Zudem habe ich 2020 angefangen unter dem Zwingernamen „Stylish Motion´s“ Malinois zu züchten.

2 Kommentare

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